Maverick Buying im Marketing-Einkauf

maverick buying

Was ist Maverick Buying?

Das Wort „Maverick“ kommt es dem Englischen und bedeutet Alleingänger, herrenlos oder abtrünnig.
Der Begriff Maverick Buying wird im Procurement (Beschaffungsmanagement) verwendet. Dabei handelt es sich um einen sog. wilden Einkauf: Abteilungen bestellen Produkte oder Dienstleistungen ohne Einbeziehung der Einkaufsabteilung. Oft ist Maverick Buying im Einkauf von Marketingdienstleistungen zu finden.

Es gibt 3 Typen von Maverick Buying:

  1. Die Beschaffung läuft komplett am Einkauf vorbei
    Sehr oft ist dies im Marketing oder der IT der Fall.  Die jeweiligen Fachabteilungen wählen ihren Supplier selbst aus, verhandeln und führen Bestellungen aus, ohne den Einkauf zu involvieren. Hier werden bspw. Services wie Online Marketing Beratung, die Durchführung einer Keywordrecherche oder der Ankauf von technischem Equipment innerhalb der jeweiligen Abteilung beauftragt. Der Marketing-Einkauf geht komplett an der Einkaufsabteilung vorbei.
    Ergebnis: Einsparpotenzial durch Synergiebündelungen oder fachlicher Unkenntnis von kostenminderten Einkaufstaktikten werden nicht genutzt.
  2. Der Einkauf wird bei der Beschaffung zu spät mit einbezogen.
    Hier fungiert der Einkauf letztendlich nur operativ bei der Bestellabwicklung und Vertragsunterzeichnung mit Dienstleistern.
    Ergebnis: Einsparpotenzial bei Verhandlungen oder der Lieferantenauswahl wird nicht genutzt.
  3. Vorhandene Rahmenverträge werden für die Beschaffung nicht genutzt.
    Der Einkauf hat Rahmenverträge bereits verhandelt, diese werden jedoch nicht umgesetzt.
    Beispiel: Büromaterial wird beim anderen Anbieter bestellt, weil der Kugelschreiber dort 0,15 € günstiger ist.
    Ergebnis: höhere Prozesskosten und nicht Ausschöpfung des ganzen Potenzials an günstigen Konditionen für die ganze Waren- oder Dienstleistungsgruppe. Der Kugelschreiber mag bspw. etwas günstiger sein, verschafft aber unnötige Prozesskosten: der Einkauf muss einen neuen Lieferanten anlegen, Buchhaltung einen neuen Debitor und Kreditor. Um 0,15 € zu sparen verursacht man unnötige interne Kosten von ca. 100 € (vereinfacht ausgedrückt). Die jeweilige Kategorie – in diesem Fall Büromaterial – muss als Ganzes gesehen werden. Man kann dies schön an diesem Beispiel aus dem Privatleben erklären: um zu sparen, besucht eine Familie einen preisgünstigen Discounter, um den wöchentlichen Großeinkauf zu erledigen. Einige Produkte sind in einem anderen Geschäft am anderen Ende der Stadt etwas günstiger. Dennoch wird die Familie nicht dorthin fahren, um 0,50 € zu sparen. Sie haben im ersten Geschäft schon deutlich gespart und werden sicherlich nicht Zeit und Sprit investieren, um 0,50 € an Lebensmittel zu sparen, da der Aufwand und die Kosten im Endeffekt teurer wären.

Gründe für Maverick Buying

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb der Einkauf nicht einbezogen wird.

Kommunikation
Zum einen sind die Beschaffungsprozesse und Rahmenverträge nicht gut kommuniziert. Die Mitarbeiter haben schlichtweg keine Ahnung, dass sie sich zunächst an den Einkauf wenden sollen oder wo sie bestimmte Produkte und Dienstleistungen bestellen müssen.

Unwissen
Die jeweiligen Abteilungen kennen nicht den Total Cost of Ownership, d.h. die Gesamtkosten des bestellten Produktes. Dies haben wir oben schon am Beispiel mit dem Kugelschreiber erklärt. Hier fehlen schlichtweg BWL- und Prozessverständnis der jeweiligen Mitarbeiter.

Unzufriedenheit
Die Abteilung ist unzufrieden mit dem vom Einkauf ausgesuchten Lieferanten, bspw. hapert es an der Kommunikation und Flexibilität.

Unflexibilität
Unflexibilität der Einkaufsabteilung selbst: bei dringendem Handlungsbedarf dauern die Prozesse zu lange.

Konflikte
Konflikte zwischen dem Einkauf und anderen Abteilungen. Oftmals wird der Einkauf als hemmender Kostendrücker gesehen. Vor allem haben Vertrieb und Marketing den Einkauf als Feindbild.

Welche Kennzahlen werden zur Messung von Maverick Buying benötigt?

Maverick Buying Quote
Anteil des Einkaufsvolumens mit Bestellbezug im Vergleich zum gesamten Einkaufsrechnungsvolumen. Liegt diese unter 80%, sollten dringende Maßnahmen erfolgen, um Maverick Buying zu vermeiden

Allerdings sollte nicht nur die einzelne Kennzahl Maverick Buying Quote betrachtet werden, um genaue Messungen und Aussagen zu treffen. Folgende KPI sind zur genaueren Betrachtung hilfreich:

Vertragsnutzungsquote
Anteil des Rechnungsvolumen in Bezug auf bestehende Rahmenverträge und die Verträge auch nutzt.

Preis-Compliance
Zeigt, welcher Anteil des Einkaufsvolumens an bestehenden Rahmenverträgen vorbei bestellt wird. Allerdings ist hier nicht ersichtlich, ob der gezahlte Preis dem vertraglich vereinbarten entspricht.

Konditions-Compliance
Vergleicht, ob die vereinbarten Konditionen den tatsächlichen genutzten entsprechen.

Maverick Buying sollte kontrolliert und wenn möglich unterbunden werden, ohne bestimmte Prozesse und Abteilungen auszubremsen.

Maßnahmen zur Vermeidung von Maverick Buying

Prozessdefinition und Kontrolle
Schaffung von verbindlichen Einkaufsprozessen. Diese sollten klar und deutlich im ganzen Unternehmen kommuniziert sowie streng kontrolliert werden. Ggf. disziplinarische Konsequenzen einführen.

Image
Imageverbesserung des Einkaufs durch Aufklärungsarbeit, vor allem in der Marketingabteilung. Dies sorgt für Transparenz und Anerkennung. Der Einkauf sollte nicht nur als ausführender Besteller, sondern als Berater wahrgenommen werden.

E-Procurement
Einführung von E-Procurement für bestimmte Produkte und Dienstleistungen. Der Einkauf hat Prozesse bei der elektronischen Beschaffung besser im Blick. Die Maverick Buying Quote liegt hier bei unter 5%.

Re-Strukturierung
Einführung von strategischem Einkauf für Warengruppen mit cross-funktionaler Zusammenarbeit für die jeweilige Fachabteilung, bspw. durch Implementierung eines Marketing-Einkaufs.

Brauchst du Unterstützung beim Marketing-Einkauf?

Dein Marketing-Einkauf läuft aus dem Ruder und du benötigst Support? Gerne unterstütze ich dabei, Maverick Einkauf im Marketing zu vermeiden. Sprich mich an!